Pinelopis Odyssee

Als Professor Pinelopi „Penny“ Goldberg sich 2018 als Chefökonomin der Weltbank bewarb, war das nicht ihre erste Bewerbung dort. Dreißig Jahre zuvor hatte sie schon mal um ein Praktikum gebeten – und war abgelehnt worden. Ein Rückschlag, der sie anspornte, und von Freiburg nach Yale und schließlich doch nach Washington brachte.

veröffentlicht im DAAD-Magazin Letter, 2019 >> (und in Kurzform auf der DAAD-Website >>)

„Arbeiter aus republikanischen Counties leiden am stärksten unter den Folgen des US-Handelskriegs“, schreibt Penny Goldberg Anfang 2019 in einem Paper und beziffert zusammen mit ihren Kollegen die Kosten der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle für die USA: knapp 70 Milliarden US-Dollar. Business as usual für eine Wirtschaftsprofessorin in Yale. Doch Goldberg hatte da bereits ihre Stelle als Chefökonomin der Weltbank angetreten. Jener Institution, deren wichtigster Beitragszahler die US-Regierung ist und deren neuer Präsident von Trump ernannt wurde.
Die 56-Jährige sitzt in ihrem neuen Büro in Washington, nur zwei Straßenblöcke vom Weißen Haus und doch sehr weit entfernt. „Das Gute ist: Wir haben Redefreiheit bei der Weltbank“, sagt sie und ihre Kommunikationsreferentin, die ihr im Gespräch mit der Presse auf Schritt und Tritt folgt, nickt anerkennend. Goldberg muss deutlich machen, wo sie steht. Ihr Vorgänger, der Nobelpreisträger Paul Romer, hatte es mit der Redefreiheit zu ernst genommen. In einem Interview räumte er ein, dass die Methodik eines hausinternen Länderrankings stillschweigend geändert worden war, wodurch Chile unter der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet um Dutzende Plätze gefallen ist. Wenige Tage später verließ er abrupt seinen Posten. Das hat Goldberg mit ihrem Paper nicht riskiert: Trumps Zölle sind im Haus des Freihandels ohnehin unbeliebt. Wie kritisch kann Romers Nachfolgerin sein?
Goldberg ist nicht angetreten, um die Welt – oder die Weltbank – zu revolutionieren. Aber doch, um die Entscheidungen der Bank effektiver und ein bisschen gerechter zu machen. Um mit dem derzeitigen Jahresbudget von 67 Milliarden US-Dollar so vielen Menschen wie möglich dabei zu helfen, sich aus extremer Armut zu befreien – und dabei Minderheiten und Frauen nicht zu vergessen.

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